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Notizen zur Bibeleinführung von Frère Rob
Zu Beten fällt vielen nicht leicht. Im Evangelium erzählt Jesus zwei Gleichnisse, die uns helfen können, das Geheimnis des Betens zu verstehen:2000-12-31; 15:00 Uhr These are just private notes, which are not written directly by Taizé-Brothers You find Frére Roger's meditations on the Taizé-Webpage Eine Sache ist beim Beten wichtig: Es kommt nicht auf die Anzahl der Wörter des Gebetes an, nicht auf das äußere, sondern auf das ständige, ununterbrochene Beten. Wie ist es aber möglich, fortwährend zu beten? Jesus hilft uns mit einem Gleichnis (Lukas 18,1): "In einer Stadt lebte ein Richter, der nicht nach Gott fragte und alle Menschen verachtete. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe. Sie kam immer wieder zu ihm gelaufen und bat ihn: 'Verhilf mir zu meinem Recht!' Lange Zeit wollte der Richter nicht, doch schließlich sagte er sich: 'Es ist mir zwar völlig gleichgültig, was Gott und Menschen von mir halten; aber weil die Frau mir lästig wird, will ich dafür sorgen, dass sie ihr Recht bekommt. Sonst kratzt sie mir noch die Augen aus.'" Die Geschichte ist etwas komisch: Jesus gibt uns keine expliziten Hinweise, wie wir Beten sollen, kein neues "Gesetz zum richtig Beten", sondern lediglich ein Beispiel. Ein zentraler Aspekt des Gleichnisses ist die Witwe, die ständig wiederholt: "Gebt mir Gerechtigkeit". Niemand hilft dieser armen Witwe, sie kann auch keinen Rechtsanwalt bezahlen. Der ungerechte Richter ist der einzige, der ihr überhaupt noch helfen kann. Über eine lange Zeit hinweg kommt die Witwe immer und immer wieder zum Richter, auch wenn dieser sie ständig abweist. Um seine Ruhe wieder zu finden und um seinen Ruf zu wahren will der Richter ihr irgendwann doch zu ihrem Recht verhelfen. Der Richter hat jedoch nur Angst um sein Amt und handelt nicht aus dem Antrieb heraus, die Welt gerechter zu machen. Jesus sagt: Dieser Richter verhält sich in keiner Weise wie Gott, im Gegenteil. Und trotzdem will der Richter Gerechtigkeit üben. Wenn nun selbst der ungerechte Richter dies tut, um wie viel mehr ist unser Gott, der voll Liebe ist, gerecht! Er selbst ist Gerechtigkeit, er setzt sich für die Armen und Minderbemittelten ein. Er ist kein ferner, unnahbarer Gott, sondern er ist uns Menschen sehr nahe. Manchmal werden wir in unserem Leben mit schwierigen Situationen konfrontiert, Schwierigkeiten von außen und von innen. Und dann stellen wir uns die Frage: Was ist der Sinn, was ist der Nutzen des Gebets? Scheinbar ändert sich nichts, Gott scheint weit entfernt zu sein. Unsere Gebete sind offenbar wirkungslos. Jesu Gleichnis umreist diese Situation: Nichts scheint sich zu ändern. Jesus will uns nicht sagen: "Ihr seid gezwungen zu beten!" Nein, das wirkliche Gebet muss von innen heraus kommen. Ein ständiges, unablässiges Gebet hat eine sehr große Wirkung: Es erfüllt unser Leben mit neuer Kraft. Aber warum? Die Zeit spielt dabei einen sehr wichtigen Faktor. Das einzige, was die Witwe im Gleichnis besitzt, ist Zeit, die Zeit ist ihr "einziger Freund". Lange Zeit kommt sie immer wieder zum Richter. Für uns "moderne" Menschen ist Zeit oftmals etwas, was wir ständig zu wenig haben. Die Zeit scheint gegen uns zu arbeiten. Auch während des Betens haben wir oft nicht genug Zeit, all das vor Gott zu bringen, was wir sagen wollen. Die Witwe aber wiederholt immer wieder die gleichen, einfachen Worte. Weder die Worte, die sie benutzt, noch deren Inhalt ändert sich im Laufe der Zeit. Auch bekommen ihre Argumente nicht plötzlich mehr Gewicht. Aber mit der Zeit verändern sich andere Dinge, denn die Zeit ist der Freund Gottes. Jesus sagt: Ein fortwährendes Gebet ist etwas sehr schönes. Eigentlich ist es etwas sehr einfaches! Ich brauche nicht viele Worte, um zu beten. Sehr wenige Worte können schon ausreichen. Dies macht Jesus in einem weiteren Gleichnis verständlicher (Lukas 18,9): "Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, ein Pharisäer und ein Zolleinnehmer. Der Pharisäer stellte sich vorne hin und betete leise bei sich: 'Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, alle diese Räuber, Betrüger und Ehebrecher, oder auch wie dieser Zolleinnehmer hier! Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe dir den vorgeschriebenen Zehnten sogar noch von dem, was ich bei anderen einkaufe!' Der Zolleinnehmer aber stand ganz hinten und getraute sich nicht einmal, zum Himmel aufzublicken. Er schlug sich zerknirscht an die Brust und sagte: 'Gott, hab Erbarmen mit mir, ich bin ein sündiger Mensch!'" Jesus stellt uns zwei sehr gegensätzlichen Personen vor: Einen Pharisäer und einen Zöllner, die in den Tempel zum Gebet gehen. Zwei verschiedene Arten des Gebets begegnen uns im Gleichnis: Der Pharisäer ist sehr von sich überzeugt: "Danke Gott, dass ich nicht so bin, wie die anderen. Ich faste und teile meinen Reichtum." Das wichtigste Wort in seinem Gebet ist "ich". Der Zöllner ist als Sünder von der Gesellschaft ausgeschlossen. Sein Gebet ist sehr kurz: "Gott sei gnädig mit mir, mir armen Sünder." Die "Gnade Gottes" bildet das Zentrum seines Gebetes, nicht seine eigene Person. Nur durch die Gnade Gottes war der Zöllner imstande, in den Tempel zu gehen. Die Gnade Gottes stellt den Antrieb seines Gebetes dar. Der Zöllner betet wie ein Kind: mit leeren Händen. Er kann nur empfangen, er kann nichts geben. Er versteckt sich auch nicht hinter einer Maske, so dass ihn Gott ohne Einschränkung lieben kann. Diese Liebe hängt nicht von den "Qualitäten" des Menschen ab, was er kann oder tut. Der Zöllner betet: "Gott, lass deine Gnade wirken an mir. Lass mich auf mich selbst und auf andere Menschen mit den Augen deiner Gnade schauen. Und möge dein gnadenvoller Blick alles Schlechte in mir und gegenüber anderen überstrahlen." Die schlechten Gedanken prägen allzu oft unser Leben. Im Gebet sucht Gott nach uns. Gott macht sich auf den Weg, um uns so zu finden, wie wir im Augenblick des Gebets sind. Das Problem besteht aber oftmals darin, dass wir geistig gar nicht wirklich anwesend sind. Jesus kennt dieses Problem. Er sagt zu seinen Jüngern: Bleibt hier und betet mit mir. Bleibt, wo ihr seid und rennt nicht vor euch selbst davon. Versucht so zu sein, wie ihr eben seid und legt dies vor Gott nieder. Und glaubt daran, dass Gott euch so annimmt, wie ihr seid, selbst wenn ihr keinen Worte findet. Gott versucht uns, im Gebet so zu finden, wie wir sind, Gott interessiert sich nicht so sehr für unsere guten Taten, sondern viel mehr für unsere Person. Genauso sollen wir im Gebet nicht danach suchen, was Gott für uns tun kann, sondern was Gott für uns ist. Wenn wir ein Gefühl der Abwesenheit Gottes während des Gebets haben, so muss das nicht negativ sein. Es zeigt viel mehr unser Suchen nach Gott. Würden wir bei einem Gebet immer nur nach dem Nutzen suchen, dann würden wir Gott lieben, wie ein Bauer seine Kuh liebt, weil sie Milch gibt! Der Zöllner gibt sich ganz in die Gnade Gottes hinein. Das Gebet ist unser Streben nach dem Eintreten in die Liebe Gottes, der auch in unserem Leben etwas Neues schaffen kann. Deshalb hilft es vielen Menschen, mit Ikonen zu beten. Die Ikonen repräsentieren die Realität der Liebe Gottes zu uns Menschen. Jesus sieht aus den Ikonen auf uns herab, wartend und zuhörend, so das wir so beten können, dass Gott in uns betet. Betet Gott in uns, so zeigt er uns verborgene Möglichkeiten auf, die in uns schlummern: Wie Gott die Gnade weiterzugeben und "gnadenvoll" an anderen Menschen zu handeln. Fragen zum Thema: (zum persönlichen Nachdenken oder zum Gespräch mit anderen) 1) Wie finden wir in unserem Leben Zeit zum beten, wie erkennen wir, dass die Zeit unser Freund ist? 2) Was ist das Wenige, was ich Christus im Gebet anvertrauen kann? Welche Worte reichen gerade aus? 3) Wie kann das Gebet für mich eine Quelle der Gnade Gottes für mich und andere werden? vgl. Abschnitte aus dem Brief "Ahnst du ein Glück?" von Frère Roger:
Und wenn wir still in der Gegenwart Gottes verweilen, machen wir uns schon innerlich für die Kontemplation offen und bereit. Lust, über das Thema zu diskutieren? Dann nichts wie hin zur Sharing Group | ||